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Migrationsforschung

Wie mit falschen Annahmen Politik gemacht wird

Seenotretter würden die Migration anheizen, lautet der Vorwurf. Der damalige italienische Innenminister warnt vor den »Vizeschleppern« nach Europa, Österreichs Kanzler wirft Seenotrettern vor, das Geschäftsmodell der Schlepper zu ermöglichen. Was ist dran? Nicht so viel, sagt die Wissenschaft.

Veröffentlicht am 29.01.2026
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Im Oktober 2013 riefen die italienische Marine und Küstenwache die Operation »Mare Nostrum« ins Leben. Sie sollte Geflüchtete auf See retten sowie Schleuser bekämpfen. Doch bereits früh stand die Operation in der Kritik. Zum einen aufgrund ihrer monatlichen Kosten in Höhe von neun Millionen Euro, aber auch wegen des Arguments, die Seenotrettung führe unbeabsichtigt zu mehr Migration nach Europa.1 Es wird dabei von zwei Seiten argumentiert: dass sich einerseits die Geflüchteten durch die Präsenz von Seenotrettern erst aufs Meer begeben, um irregulär einzureisen; aber auch, dass Schleuser verstärkt Ausreisen arrangieren, weil sie davon ausgehen können, dass die Seenotretter die Geflüchteten aufnehmen.2 Diese Argumentation lässt sich als »Pull-Faktor« zusammenfassen – bis heute ohne wissenschaftliche Belege. Im Deutschen ist dieser Begriff als »Sogwirkung« zu verstehen. Neu ist die Behauptung nicht, wie ein Blick in die Geschichte zeigt. Aber sie ist noch immer nicht korrekt.

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