Klimakatastrophen führen nicht dazu, dass Regierungen ihre Klimaschutzpolitik verschärfen
Als Australien 2019/20 heftige Waldbrände erlebte, wurde die Klimapolitik der Regierung nicht verändert. Ein Politikwissenschaftler der Concordia University in Kanada findet das merkwürdig. Extremwetter macht den Klimawandel erlebbar, was – so die Überlegung – dazu führen könnte, dass sich klimafreundliche Akteure und Interessengruppen mehr engagieren und Reformen fordern. Dieses Engagement könnte die Regierungen unter Druck setzen, sich stärker für den Klimaschutz einzusetzen. Ein solcher Mechanismus ist eine mögliche Erklärung dafür, warum Extremwetter zu mehr Klimapolitik führen könnte.
Ob dieser Effekt tatsächlich auftritt, hat der Studienautor untersucht, indem er über einen Zeitraum von fast 30 Jahren hinweg Klimapolitiken auf der gesamten Welt betrachtete – etwa Kohlenstoffsteuern, Gesetze zu erneuerbaren Energien sowie weitere Maßnahmen und den jährlichen Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in jedem Land. Um Klimafolgen zu messen, nutzte er zwei Ansätze: Temperaturabweichungen („Temperaturschocks“) sowie Daten zu Naturkatastrophen wie Stürmen, Waldbränden und Überschwemmungen.
Das Ergebnis: Weder Temperaturschocks noch Naturkatastrophen haben erkennbar zu Klimareformen geführt. Von allen untersuchten Zusammenhängen erwiesen sich gerade einmal vier Prozent als statistisch auffällig – so wenige, dass es schlicht Zufall sein könnte. Auch in Demokratien, wo Regierungen stärker auf öffentlichen Druck reagieren sollten, blieb der Effekt aus.
Der Studienautor sieht darin eine große Lücke zwischen dem, was Menschen an Klimaschäden erleben, und dem, was Regierungen daraus machen. Wo genau dieser Zusammenhang abbricht – ob bereits bei der Mobilisierung von Interessengruppen oder erst im politischen Prozess selbst –, soll künftige Forschung klären.
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