Gespräche über langweilige Themen sind besser als gedacht
Ist Interesse am Thema die Voraussetzung für ein gutes Gespräch? Nicht unbedingt, zeigt eine neue Studie. Ein Forschungsteam aus den USA und Frankreich hat in mehreren Experimenten untersucht, wie Menschen Gespräche über vermeintlich langweilige Themen einschätzen und wie sie diese tatsächlich erleben.
In den ersten beiden Experimenten führten die Teilnehmenden Gespräche, bei denen entweder eine oder beide Personen das Thema als langweilig einstuften. Dabei zeigte sich: Die Gespräche wurden vorab deutlich negativer eingeschätzt, als sie später empfunden wurden. Selbst wenn beide Gesprächspartner das Thema langweilig fanden, wurden die Gespräche als angenehmer empfunden, als sie erwartet hatten.
Ein weiteres Experiment zeigte, dass sowohl Freunde als auch Fremde Interesse und Freude an solchen Gesprächen unterschätzten. In einem zusätzlichen Versuch prüften die Forschenden den Einfluss aktiver Beteiligung. Einige Teilnehmende führten direkte Gespräche, während andere dieselben Unterhaltungen lasen oder als Video sahen. Die Unterschätzung trat nur zutage, wenn die Teilnehmenden selbst aktiv am Gespräch beteiligt waren, etwa bei den direkten Gesprächen. Bei niedriger Beteiligung, wie in den anderen Bedingungen, trat dieser Effekt nicht auf.
Im letzten Experiment analysierten die Forschenden, ob Gespräche nur deshalb angenehmer werden, weil sich die Themen im Verlauf verändern. Doch selbst wenn die Gespräche strikt beim ursprünglichen Thema blieben, empfanden die Teilnehmenden sie als angenehmer, als sie erwartet hatten.
Insgesamt offenbarte sich, dass Unterhaltungen über scheinbar langweilige Themen überraschend positiv erlebt werden. Die Forschenden führen dies darauf zurück, dass Gespräche aus statischen und dynamischen Bestandteilen bestehen. Während das Thema als statisches Element leicht vorab einschätzbar ist, entstehen die dynamischen Aspekte erst im Gespräch, etwa weil die Gesprächspartner aufeinander reagieren, Ideen austauschen und diese weiterentwickeln. Solche dynamischen Elemente einer Unterhaltung sind schwer vorherzusagen, prägen das Erleben jedoch stark.
Besonders eine hohe Beteiligung kann dazu führen, dass Gespräche trotz langweiliger Themen angenehm wirken. Die Forscher vermuten deshalb, dass Menschen Gespräche möglicherweise häufiger meiden, obwohl sie diese später als angenehm und interessant erleben würden. Sie raten deshalb, die Hürde dafür niedriger anzusetzen, wann ein Gespräch als „lohnenswert” empfunden wird.
Von wem stammt die Studie?
Die Studie stammt von Elizabeth N. Trinh (University of Michigan, USA), Nicole Thio (Cornell University, USA) und Nadav Klein (INSEAD, Frankreich).
Wie haben die Forscher das herausgefunden?
Sie führten insgesamt neun Experimente – fünf Hauptexperimente und vier zusätzliche Experimente – durch. Insgesamt nahmen 1.800 Personen teil, wobei die Gruppengrößen je nach Experiment variierten.
Wo gibt es die ganze Studie?
Trinh, Elizabeth N.; Thio, Nicole; Klein, Nadav: Conversations about boring topics are more interesting than we think, in: Journal of Personality and Social Psychology (2026), doi 10.1037/pspi0000521. https://www.apa.org/pubs/journals/releases/psp-fpspi0000521.pd
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