Gesellschaften mit starkem Statusdenken, gehen häufiger mit narzisstischen Zügen einher
Narzissmus wird oft mit westlichen, wohlhabenden Gesellschaften in Verbindung gebracht, die persönliche Selbstverwirklichung und Individualität betonen. Eine neue Studie bestätigt diesen Zusammenhang teilweise: In wirtschaftlich stärkeren Ländern waren meistens die Narzissmuswerte tatsächlich höher.
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Psychologen der Michigan State University analysierte die Antworten von über 45.000 Menschen aus 53 Ländern. Die Teilnehmenden gaben an, wie wichtig ihnen Bewunderung ist, ob sie gerne durch ihre Beiträge im Mittelpunkt stehen oder andere abwerten. Die Forschenden unterschieden dabei zwei Formen des Narzissmus: eine selbstbewusste, die auf Bewunderung abzielt, und eine, die sich durch Konkurrenzdenken und Abwertung anderer auszeichnet. Anschließend verglichen sie die Ergebnisse mit Merkmalen der jeweiligen Länder, etwa Wohlstand oder der Frage, ob Menschen sich stärker an sich selbst oder an ihrer Gemeinschaft orientieren.
Die Ergebnisse bestätigten bekannte Muster: Jüngere Menschen, Männer und Personen mit höherem wahrgenommenem sozialem Status zeigten häufiger narzisstische Züge. Auch in wohlhabenderen Ländern lagen die Werte höher. Auffällig war jedoch, dass die Werte selbst in gemeinschafts-, gruppenorientierten und hierarchisch geprägten Kulturen erhöht waren – besonders bei der Form des Narzissmus, die auf Bewunderung, Anerkennung und öffentliche Aufmerksamkeit abzielt.
Die Studie deutet darauf hin, dass Narzissmus nicht allein mit westlicher Selbstverwirklichung zusammenhängt. Entscheidend könnte vielmehr sein, wie stark Gesellschaften Status, Anerkennung und soziale Hierarchien betonen.
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