Die Asienkrise der 90er beeinträchtigte das Wachstum vieler Kinder in Indonesien
Wie wirken sich Wirtschaftskrisen auf die Ernährung von Kindern aus? Eine Studie von Ökonomen der Uni Bonn, die sich auf Ernährung und Entwicklung spezialisiert haben, hat das am Beispiel der asiatischen Finanzkrise in Indonesien untersucht. Als Ende der 1990er die Preise für Reis, das wichtigste Grundnahrungsmittel des Landes, stark stiegen, verschlechterte sich das Wachstum vieler Kinder messbar. Die Folgen blieben teils bis ins junge Erwachsenenalter sichtbar.
Zu diesem Ergebnis kommen die Forscher auf Basis einer Langzeitbefragung von Tausenden Haushalten in 13 indonesischen Provinzen. In einem ersten Schritt wurde der Ernährungszustand von rund 2.100 Kindern unter fünf Jahren im Jahr 1997 erfasst und verglichen diesen mit denselben Kindern im Jahr 2000. Im nächsten Schritt beobachteten sie erneut dieselben Kinder im Jahr 2014, als diese etwa 17 bis 23 Jahre alt waren. Entscheidend ist dabei ein handwerklicher Kniff der Forschenden: Sie nutzten regionale Unterschiede beim Anstieg der Reispreise als Maß dafür, wie stark einzelne Gemeinden von der Wirtschaftskrise betroffen waren.
Eine Verdopplung des Reispreises ging im Durchschnitt damit einher, dass Kinder messbar kleiner waren als für ihr Alter üblich. Gleichzeitig nahm der Anteil der Kinder mit Wachstumsproblemen durch Unterernährung um etwa 3,5 Prozentpunkte zu. Besonders betroffen waren Kinder in Städten, da urbane Haushalte stärker unter den Lebensmittelpreissteigerungen litten als ländliche Haushalte, sowie Kinder von Müttern mit niedrigem Bildungsniveau. Darüber hinaus erhöhte die Krise auch die Wahrscheinlichkeit von Übergewicht im Kindesalter. Die Forschende deuten das als Hinweis darauf, dass Familien bei finanziellen Engpässen eher auf billige, kalorienreiche als auf nährstoffreiche Nahrung ausgewichen sind. Für akute Mangelernährung fanden die Forschenden dagegen keinen eindeutigen Zusammenhang.
Auch langfristig blieben Spuren: Kinder, die von der Krise besonders stark betroffen waren, waren später als Erwachsene ebenfalls etwas kleiner. Besonders deutlich zeigt sich das bei denen, die damals drei bis fünf Jahre alt waren – zusätzlich litten sie später häufiger an Fettleibigkeit. Die Ergebnisse deuten somit darauf hin, dass Krisen in der Kindheit die körperliche Entwicklung dauerhaft prägen können. Allerdings lässt sich den Forschenden zufolge nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob die Wirtschaftskrise tatsächlich die alleinige Ursache dafür ist.
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